Die etwas andere Segeljugendgruppe des SBC

Die etwas andere Segeljugendgruppe des SBC Neufeld.

Die Überschrift lässt es vermuten, wir, die Segeljugendgruppe des SBC Neufeld, sind anders
als so manche Segeljugendgruppe. Sie werden jetzt fragen: „Warum?“ Nun, das möchte ich Ihnen gerne erklären:
Gerade der Segelsport wird geprägt von einem gewissen Leistungsdruck. Getreu nach dem Motto zwei Boote, eine Regatta (so nennt man die Rennen zwischen zwei Booten) hat man das Bestreben, immer schneller sein zu müssen als der „Mitstreiter“.

Ich hatte, zugegebener Weise, als ich 2002 diese Jugendgruppe übernahm auch, ansatzweise, diese Einstellung. Ansatzweise auch nur deshalb, weil meine Wurzeln im Segelsport aus dem Dreimastersegeln entsprossen sind (dort geht es etwas gemütlicher zu und nicht, wie üblicherweise, aus den kleinen Optimisten (so nennt man die kleinsten Einsteigerboote)
Nach nur einer Segelsaison mit den Kindern und der darauffolgenden Wintersaison mit Theorie, musste ich feststellen, dass es auch Kinder gibt, die nicht unbedingt das schnellste und optimalste aus ihrem Boot herausholen wollen, sondern es eher gemütlich angehen lassen.

Gott sei Dank, kann ich rückblickend sagen, habe ich das rechtzeitig erkannt und genau das, was der Wettbewerb Sterne des Sports so schön mit dem Wort B Note bezeichnet, angefangen in mein Lernkonzept mit aufzunehmen. Die Folgen waren schnell zu spüren: Statt abnehmender Mitgliederzahlen stieg die Anzahl der Kinder seitdem stetig an, ganz im Gegenteil zu anderen, leistungsorientierten, Segelgruppen in der Umgebung. Als dann auch die Eltern begriffen, dass dieses gemütliche Segeln auch eine Art der Fortbewegung darstellt, ließen die Rufe nach Regattaveranstaltungen schnell nach. Nebenbei bemerkt finden Regatten auch meistens am Wochenende statt, sodass es mir als Schichtgänger schlichtweg unmöglich war und ist, so viele Wochenenden frei zu halten.

So haben wir, seit nunmehr 26 Jahren, dieses Konzept des leistungsdruckfreien Lernens umgesetzt und fahren sehr gut damit.
Bei uns wird kein Kind gezwungen zu Segeln. Sie fragen sich nun, wieso sollte man ein Kind zum Segeln zwingen. Oftmals wird von Eltern eine Erwartungshaltung mitgebracht, die das Kind schon im Vorfeld einem gewissen Leistungszwang aussetzt. Sätze, wie etwa: „Stell dich nicht so an“ oder „Die Anderen können das doch auch“ höre ich oft. Sie sind aber total fehl am Platz. Im Segelsport kommen zwei, für die Kinder bis dahin fremde Elemente, auf einmal, in einem, bis dahin ungeahntem Zusammenspiel, auf sie zu: Wasser und Wind. Beides versetzt das Boot in Bewegungen, welche die Kinder ebenfalls nicht kennen. So wird mancher Tatendrang im Keim erstickt. In der Regel sind die Kinder zwischen 7-9 Jahre alt und noch sehr schreckhaft veranlagt. Man kann bei solch einer ersten Begegnung vieles verkehrt und alles kaputt machen. Sollte das Kind gar Angst bekommen ist es meistens schon vorbei, bevor es überhaupt angefangen hat.
Es ist uns gelungen, die Kinder sehr behutsam an die neuen Umstände heranzuführen und selbst ein 7-Jähriger versteht den Unterschied zwischen Respekt und Angst, wenn er ihn nur genau erklärt bekommt. Respekt vor den Naturgewalten ist die erste Lektion, die die Kinder bei uns lernen. Direkt gefolgt von der zweiten Lektion, dass sie keine Angst haben müssen, solange sie immer das befolgen, was wir sagen. Das „Schöne“ an der ganzen Sache ist, dass eine Nichtbefolgung beider Lektionen meistens umgehend dazu führt, dass man sich in einer Situation wiederfindet, die man alleine nicht bewerkstelligen kann.

In der Regel dauert solch ein behutsames Heranführen an die neuen Elemente 15 – 30 Minuten, je nach Auffassungsgabe des Kindes. Das Boot ist dabei natürlich angeleint, der Trainer steht in der Regel im flachen Wasser oder am Steg und hält das andere Ende dieser „Nabelschnur“ in der Hand.
Nicht jeder 7-Jährige ist in der Lage sofort drei Dinge auf einmal zu tun, geschweige denn zu begreifen. Dies ist aber beim Segel zwingend erforderlich. Nach dieser sehr prägenden Einführung sind wir in der Lage, einzuschätzen, ob ein Kind weitermachen kann oder ob es besser wäre, für beide, Kind und Trainer, noch ein Jahr zu warten, bis die nötige Reife vorhanden ist.
Unsere Gruppe umfasst mittlerweile leider nur noch 12 Kinder, wobei die größten schon arbeiten und Ihre eigenen Kinder mitbringen. (Die Jugendgruppe hat sozusagen schon Enkelkinder) In Zeiten von Corona wird es schwierig, neue Kinder zu finden!

Es ist uns gelungen, den Kontakt zu den Großen, zu erhalten und sogar zu intensivieren, indem wir sie immer noch einplanen bei stattfindenden Ausflügen und Festen (wie Hafenfest oder Grillpartys und Weihnachtsfeiern). Da Segeln ein Saisonsport ist und stark vom Wetter abhängig ist, wird von Mitte April bis Mitte Oktober jeden Montag von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr meistens am nahen Ausgleichsbecken im Neufelderkoog, gesegelt.
In den Sommerferien findet, dass bei den Kindern sehr beliebte, viertägige Segelcamp statt.

Es wird dann bei mir auf dem Grundstück gezeltet und tagsüber auf dem Ausgleichsbecken gesegelt. Nachtwanderungen, Filmvorführungen, Saunagänge, Swimmingpool Elternregatta aber auch Verpflichtungen wie Backschaft (der Ausdruck der Seeleute für das Abwaschen), Aufräumen und das Erlernen von Knoten runden das Angebot ab. An dem letzten Camp nahmen 14- 16 Kinder statt!

Im November „vertreiben“ wir uns meistens die Zeit mit gemeinsamen Bastelstunden, in denen wir immer wieder Exponate erstellen, die eng mit der Vereinsarbeit in Zusammenhang stehen Mit den Resultaten dieser, äußerst lustigen Betätigung, nehmen wir dann seit mehreren Jahren an der Ermittlung des Kreissportjugendpreises teil, wo wir schon einige erste Plätze belegt haben!

Nach der Weihnachtsfeier genehmigen auch wir Trainer (Ich habe einen fleißigen Helfer) uns eine kleine Pause, bevor es dann im Januar mit dem etwas unbeliebten aber durchaus nötigen Theorieunterricht weiter geht.

Je nach Wissensstand werden die Kinder dann in bis zu 3 Gruppen aufgeteilt und ebenso spielerisch wie beim Segeln an die Materie herangeführt.
Im Frühjahr arbeiten wir dann, je nach Bedarf, an den Booten, um sie wieder fit für die nächste Saison zu machen.
Alle zwei Jahre unternehmen wir auch einen einwöchigen Segeltörn auf dem Dreimastschoner Albatros, einem über 70 Jahre alten Traditionssegler des Vereines Clipper DJS. https://www.clipper-djs.org/ , https://www.clipper-djs.org/albatros

Manche Kinder sind hier schon das 5. Mal mit. Spätestens dort lernen sie mich als Kapitän kennen. Außerdem erfahren sie, was es bedeutet, im Team zu arbeiten und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Sie müssen sich auf andere, zum Teil unbekannte und meist viel ältere Mitsegler (wir sind 26 an der Zahl) einstellen. Schnell merkt man wie positiv sich die Kinder während dieser Reise entwickeln. Das kommt schließlich der Arbeit im Verein auch sehr zu Gute.

Wir hatten auch mal eine Segel Ag mit dem in Marne ansässigen Gymnasium gegründet. Über die Aktion Schule und Verein ist es uns so gelungen, dass viele Kinder in den Verein eingetreten sind und uns treu die Stange halten. Corona machte auch leider das zu Nichte!

Vereinsarbeit ist das nächste Stichwort: Die Kinder lernen, dass sie für Ihre 20 € Jahresbeitrag nicht nur ein Vielfaches an Wert zurückerhalten, sondern auch bereit sein müssen, den Verein auf Veranstaltungen zu repräsentieren. Dies äußert sich auch dadurch, dass sie einen Infostand auf dem jährlich stattfindenden Hafenfest oder auf dem Kreissportfest fast in Eigenregie leiten und so durch Sammelaktionen und Glücksraddrehen sehr zur Verbesserung der Finanzen der Jugendgruppe beitragen. Sie spüren dadurch, am eigenen Leib, was es bedeutet gemeinnützig tätig zu sein, denn der Reinerlös steht in direktem Zusammenhang mit den Anschaffungen der unmittelbaren Zukunft.

Ich hoffe diese Ausführung war nicht zu lang, ich könnte nämlich noch viel mehr berichten.
Schön für mich ist bei aalen Aktionen, zu sehen, dass die Kinder es wohl merken, dass man einen großen Teil seiner Freizeit für das Algemeinwohl opfert. Vielleicht gelingt es ja auf diesem Wege in Zukunft mehr Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Wir lassen sie es ständig spüren, dass all die Mühe und Arbeit auch viel Spaß bedeuten kann. Darauf legen wir sehr viel Wert.

Mit freundlichem Gruß
und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

Claus Kästner

Leiter der Segeljugendgruppe
des SBC Neufeld